Posts

Die Essenz des Glaubens

Bild
27. Sonntag im Jahreskreis – C Stärke unseren Glauben! Das scheint die angebrachteste Bitte zu sein, die wir an den Herrn richten können. Angesichts des Ausmaßes unserer Aufgabe und angesichts der radikalen Anforderungen des Evangeliums richten auch wir, wie die Apostel, dieses Gebet an den Herrn; wir bitten um seine Hilfe, um eine neue Dosis Gottvertrauen: Stärke unseren Glauben! Aber – wie ihr vielleicht bemerkt habt – antwortet Jesus nicht direkt auf diese Bitte, die doch so richtig erscheint. Jesus antwortet im Gegenteil, dass es nicht viel braucht, um Wunder zu erreichen.  Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Entwurzle dich und verpflanz dich ins Meer! und er würde euch gehorchen. Dann erzählt er das Gleichnis vom Diener, der - nachdem er das Feld gepflügt oder die Herde geweidet hat - seinen Herrn noch beim Essen bedienen und sich als unnützer Diener fühlen muss. Das scheint, ehrlich gesagt, nichts mit der Bitte der Apostel zu tun...

Der große Abgrund

Bild
26. Sonntag im Jahreskreis – C Versuchen wir, das Gleichnis des heutigen Evangeliums (Lk 16,19-31) noch einmal zu lesen und uns dabei in die Lage der Männer und Frauen zu versetzen, die es aus dem Munde Jesu hörten. Der Herr spricht zunächst von einem reichen Mann, mit seinen luxuriösen Kleidern und seinen üppigen Mahlzeiten; von einem, der das Leben in vollen Zügen genießt, von einem Prasser. Spontan entsteht in der Zuhörerschaft Jesu – die überwiegend aus Menschen bescheidener Verhältnisse besteht – eine Reaktion des Misstrauens, der Abneigung, aber auch des Neides. Dann gibt es noch eine zweite Figur: einen Armen namens Lazarus (dieser Name bedeutet „Gott hilft”), von dem gesagt wird, dass er sich in einem Zustand extremen Leidens befindet. Selbst die Hunde haben Mitleid mit ihm. Aber der Reiche bemerkt ihn nicht: Er ist ganz von seinen Vergnügen eingenommen. Unter den Zuhörern entsteht Mitgefühl für den Armen und Verachtung für den Reichen. Doch einmal teilen die beiden Männer das ...

Handle klug!

Bild
  25. Sonntag im Jahreskreis – C Die erste Lesung (Amos 8,4-7) ist ein Wort Gottes, das sich gegen die Unterdrücker richtet, die  die Armen verfolgen und die Gebeugten im Land unterdrücken . Es handelt sich nicht um Räuber oder Wegelagerer, sondern um raffiniertere Geschäftemacher. Es sind Spekulanten, die sich an die Vorschriften zur Öffnung und Schließung der Märkte ( Neumond, Sabbat ) halten, die sowohl religiöse als auch menschliche Gründe hatten, aber sie tun dies weder für Gott noch für die Menschen: Sie ertragen es widerwillig, denn ihr einziger Gott ist das Geld. Sie sind Diebe und Betrüger: Sie verwenden manipulierte Maße, um die Menschen zu betrügen, und verkaufen Produkte von schlechter Qualität. So zwingen sie die Armen, sich zu verschulden und schließlich alles, sogar ihr eigenes Leben, für einen Spottpreis zu verkaufen. Diese Verhaltensweisen setzen sich bis heute fort: mit der Ausbeutung von Entwicklungsländern, Organhandel, Leihmutterschaft, Menschen- und Kinde...

Sich des Kreuzes rühmen

Bild
Kreuzerhöhung Der Eröffnungsvers zur heutigen Messe, entnommen aus dem Brief an die Galater (6,14), lautet: Wir rühmen uns des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus. In ihm ist uns Heil geworden und Auferstehung und Leben. Durch ihn sind wir erlöst und befreit. Diese Idee, dass wir uns des Kreuzes rühmen sollen, ist wirklich paradox. Vielleicht ist uns das nicht bewusst, weil wir so an das Bild des Kreuzes gewöhnt sind, dass wir es nicht mehr wahrnehmen. Als jedoch die Apostel den gekreuzigten Christus verkündeten, zerrissen die Juden ihre Kleider, weil das für sie eine unerhörte Gotteslästerung war; die Griechen ihrerseits lachten und sagten: Seht euch diese Verrückten an, was erzählen sie da! Sie predigen im Namen eines Mannes, der am Kreuz gestorben ist! Der heilige Paulus kommentiert diese Situation mit den Worten: „ Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus,...

Entscheiden

Bild
  23. Sonntag im Jahreskreis – C Das Evangelium von diesem Sonntag (Lk 14,25-33) beginnt mit dem Bild von einer Menschenmenge, die Jesus begleitet. In dieser Menge gibt es viele, die sich Illusionen machen. Sie folgen Jesus, weil sie glauben, dass er ihr Leben in bedeutsamer Weise bereichert, meinen aber, diese Bereicherung zu einem relativ günstigen Preis zu bekommen. Diese Menschen lehrt Jesus, was es braucht, um sein Jünger zu sein. Es ist eine wichtige Lektion für uns, denn auch wir könnten uns in der gleichen Situation befinden wie diese Menge: Wir nennen uns Christen, wir nähern uns dem Herrn, aber wir entscheiden uns nie wirklich für ihn. Wir gehen mit ihm, ja, aber wir sind wie mit einem Gummiband festgebunden: Wir gehen ein Stück des Weges, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt. Jesus ist wichtig, ja, aber es gibt so viele andere Dinge, die uns letztlich dringlicher oder notwendiger erscheinen: familiäre Bindungen, die Verwirklichung unserer Pläne, unsere Interessen … Jes...

Der unterste Platz

Bild
  22. Sonntag im Jahreskreis -C Das Evangelium von diesem Sonntag (14,1.7-14) spielt sich im Kontext eines Festmahls mit vielen Gästen ab. Jesus gibt zwei Empfehlungen: die erste an die Eingeladenen, die zweite an die Einladenden. Der Evangelist sagt uns klar, dass die erste Empfehlung ein Gleichnis ist, also ein Vergleich. Man könnte meinen, dass Jesus hier lediglich eine Regel für gutes Benehmen geben würde: Wenn du eingeladen bist, wähle nicht den Ehrenplatz für dich selbst. Das ist nicht nur eine Frage der Höflichkeit, sondern auch der Klugheit, denn es könnte ein wichtigerer Gast da sein als du, und dann müsstest du deinen Platz räumen und würdest auf dem untersten sitzen und schlecht dastehen. Sitzt du hingegen auf dem untersten Platz, kann dir der Gastgeber einen besseren Platz anbieten, und du wirst vor allen geehrt werden. Dies war tatsächlich die Bedeutung, die die Rabbiner der damaligen Zeit einer Maxime aus dem Buch der Sprichwörter (25,6-7) gaben, die lautet: „Rühme di...

Bemüht euch durch die enge Tür zu gelangen!

Bild
21. Sonntag im Jahreskreis – C Die Worte Jesu im Evangelium von diesem Sonntag (Lk 13,22-30) sind sehr hart. Und doch sind sie Evangelium! Sie sind „frohe Botschaft“, eine Botschaft der Erlösung. Genau darum geht es. Jesus verkündet die Erlösung und deshalb kommt die Frage auf: „Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?“ Er sagte zu ihnen: „Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen.“ Die Erlösung ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist ein Geschenk und sie ist für alle. Die erste Lesung (Jes 66,18-21) sagt uns, dass alle Völker und Sprachen zum heiligen Berg des Herrn gerufen werden, um seine Herrlichkeit zu sehen. Aber sie ist kein garantiertes Geschenk. Sie ist eine offene Tür, aber sie ist eng: Es erfordert Anstrengung oder – wie man besser übersetzen könnte – einen Kampf. Und die Gegner sind immer dieselben: die Welt, das Fleisch und der Teufel. Die Welt schlägt...